Hydraulische Werkstattpressen werden für axiale Pressbearbeitungen eingesetzt, bei denen Bauteile unter kontrollierter Kraft montiert, demontiert, korrigiert oder positioniert werden. Die Reproduzierbarkeit dieser Bearbeitungen wird durch Passung, Ausrichtung, Abstützung, Lastübertragung über Kontaktflächen sowie die Art des Kraftaufbaus bestimmt.
Innerhalb des HD-Programms werden Anwendungen technisch klassifiziert, um festzulegen, innerhalb welcher Pressklasse eine Bearbeitung ausgeführt werden kann und welche Anforderungen an Konstruktionssteifigkeit, Hubführung und Kraftkapazität damit verbunden sind. Die Anwendung bildet dabei stets den Ausgangspunkt für die technische Positionierung, nicht das Pressenmodell.
Diese Seite bietet einen Überblick über repräsentative Pressbearbeitungen in Instandhaltungsumgebungen, Revisionswerkstätten und der industriellen Montage. Jede Anwendung wird anhand fester technischer Kriterien separat beschrieben.
Anwendung als technischer Ausgangspunkt
Eine hydraulische Werkstattpresse wird nicht ausschließlich auf Basis der Tonnage ausgewählt.
Die Anwendung bestimmt, welche technischen Randbedingungen maßgeblich sind, unter anderem:
- erforderliche Presskraft und Art des Kraftaufbaus
- Anforderungen an axiale Ausrichtung und geometrische Stabilität des Werkstücks
- Abstützung von Gehäusen, Wellen, Naben oder Rahmen
- notwendige Steifigkeit von Pressrahmen und Hubführung
- Reproduzierbarkeit wiederkehrender Montage- oder Demontagevorgänge
- Empfindlichkeit von Bauteilen gegenüber Punktbelastung, Schiefstellung oder Verformung
Innerhalb des HD-Programms wird eine Anwendung erst dann einer Pressklasse zugeordnet, wenn alle technischen Randbedingungen innerhalb des Leistungsbereichs dieser Klasse liegen.
Übersicht der Anwendungen
Lager, Buchsen und Gleitlager montieren und demontieren
Axiale Montage und Demontage von Lagern, dünnwandigen Buchsen und Gleitlagern, bei denen Krafteinleitung, präzise Ausrichtung und vollständige Abstützung für eine schadensfreie Passung entscheidend sind.
→ Anwendung ansehen: Lager, Buchsen und Gleitlager montieren und demontieren mit hydraulischer Werkstattpresse
Silentblöcke und Gummi-Metall-Komponenten pressen
Presspassung elastisch-metallischer Komponenten, bei der Gummikompression, Zentrierung und stabile Abstützung des Gehäuses die funktionale Einsatzfähigkeit bestimmen.
→ Anwendung ansehen: Silentblöcke und Gummi-Metall-Komponenten pressen mit hydraulischer Werkstattpresse
Zahnräder und Riemenscheiben auf Wellen pressen
Montage von Zahnrädern, Naben und Riemenscheiben mit Presspassung auf Wellen, bei der die Krafteinleitung über die Nabenfläche sowie eine axiale Wellenabstützung zwingend erforderlich sind.
→ Anwendung ansehen: Zahnräder und Riemenscheiben auf Wellen pressen mit hydraulischer Werkstattpresse
Bolzen und Passstifte pressen und ausdrücken
Axiales Ein- und Auspressen zylindrischer Bolzen unter hoher lokaler Belastung, bei dem die Abstützung der Sitzfläche und eine präzise Krafteinleitung notwendig sind, um Beschädigungen von Bohrungen zu vermeiden.
→ Anwendung ansehen: Bolzen und Passstifte pressen und ausdrücken mit hydraulischer Werkstattpresse
Wellen in Gehäuse ein- und auspressen
Montage und Demontage von Wellen in Gehäusen, Lagersitzen und Flanschkonstruktionen mit Fokus auf Gehäuseabstützung, zentrische Ausrichtung und kontrollierte Interferenzpassung.
→ Anwendung ansehen: Wellen in Gehäuse ein- und auspressen mit hydraulischer Werkstattpresse
Hülsen, Ringe und Naben pressen
Axiale Presspassung von Hülsen, Ringen und Naben, bei der Randbelastung, Interferenz und axiale Stabilität für Maßhaltigkeit und kontrollierte Verformung ausschlaggebend sind.
→ Anwendung ansehen: Hülsen, Ringe und Naben pressen mit hydraulischer Werkstattpresse
Werkstücke richten und ausrichten
Richten von Wellen, Profilen und Konstruktionsteilen unter kontrollierter axialer Belastung, bei dem Rahmensteifigkeit und Hubführung den Korrekturverlauf und die Reproduzierbarkeit bestimmen.
→ Anwendung ansehen: Werkstücke richten und ausrichten mit hydraulischer Werkstattpresse
Beziehung zwischen Anwendung und Pressklasse (HD-Programm)
Eine Anwendung legt fest, innerhalb welcher Pressklasse eine Bearbeitung technisch ausgeführt werden kann. Innerhalb des HD-Programms werden drei feste Pressklassen unterschieden:
Leichte hydraulische Werkstattpressen (20–60 Tonnen)
Für kleinere Bauteile mit:
- begrenzter Interferenz
- kurzer Kontaktlänge
- einfacher axialer Abstützung
- geringer Randbelastung
Mittelschwere hydraulische Werkstattpressen (80–160 Tonnen)
Für gängige industrielle Bauteile mit:
- normaler bis erhöhter Interferenz
- längeren Passungen
- Bedarf an reproduzierbarem Kraftaufbau
- stabiler Abstützung von Gehäusen oder Wellen
Schwere hydraulische Werkstattpressen (180–500 Tonnen)
Für große Bauteile oder steife Konstruktionen mit:
- hoher Interferenz
- großen Durchmessern oder hoher Masse
- Anforderung an maximale Rahmen- und Führungssteifigkeit
- Risiko von Kraftspitzen infolge von Toleranzüberlagerungen
Die endgültige Modellauswahl innerhalb des HD-Programms wird durch Bauteilgeometrie, Passungsbedingungen, Kraftprofil und erforderliches Wiederholverhalten bestimmt – nicht ausschließlich durch die Tonnage.
Weiterführung innerhalb der Website
Jede Anwendungsseite beschreibt:
- den technischen Charakter der Bearbeitung
- die relevanten Randbedingungen
- die Pressklassen, innerhalb derer die Bearbeitung ausgeführt werden kann
- den weiteren Bezug zu den Standardmodellen innerhalb des HD-Programms
Für Anwendungen außerhalb dieser Randbedingungen wird auf den separaten Bereich Engineering & Sonderkonstruktion verwiesen, in dem nicht standardisierte Geometrien, komplexe Passungen und abweichende Montagebedingungen beurteilt werden.
Technische Beurteilung beantragen
Wenn eine Anwendung innerhalb der beschriebenen technischen Randbedingungen liegt, kann ein technischer Antrag gestellt werden, um die Bearbeitung korrekt innerhalb der geeigneten Pressklasse des HD-Programms einzuordnen.